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Der Jubiläumsanlass im Gasthof Ochsen war nebst dem Rückblick auf die facettenreiche Parteigeschichte auch dem Ausblick in eine spannende Zukunft gewidmet. Die vier Referate sowie Grussbotschaften wurden von der Feldmusikgesellschaft Lupfig mit rassigen Klängen umrahmt.

Bild: Irene Hung-König

Ammann Richard Plüss beglückwünschte die SVP Lupfig in seiner einleitenden Vorstellung der Gemeinde als erster Redner des Abends. Er erwähnte, dass Lupfig nach der per 1. Januar erfolgten Fusion mit Scherz aktuell 3032 Einwohner zählt. Der neue Gemeindebann umfasst eine Fläche von 845 Hektaren, davon sind gut ein Fünftel Siedlungsgebiet, ein Viertel Wald und die Hälfte Landwirtschaftsgebiet mit noch zehn Bauernbetrieben. Der ländliche Raum im Eigenamt gilt seit jeher als guter Nährboden für die SVP.

Thomas Burgherr, Nationalrat urid Präsident der Kantonalpartei, hob die wichtige Rolle der rund 150 SVP-Ortsparteien im Aargau hervor. Er bezeichnete sie als Repräsentanten des Mittelstandes sowie als Fundament für eine erfolgreiche überregionale und nationale politische Tätigkeit und würdigte die SVP Lupfig als stabi­len Pfeiler, ja als Hochburg im gemeinsamen Wirken. Dieses dreht sich aktuell um Themen wie Verhinderung eines schleichenden Beitritts zur Europäischen Union, den für damit zusammenhängenden Einsatz für Demokratie, Unabhängigkeit und gute Rahmenbedingungen für die Bevölkerung und die Volkswirtschaft.

Gemeinderat Jakob Müller

Lithografie

Überregionale Themen
Nationalrat Franz Grüter, Verwal­tungsratspräsident der in Lupfig do­mizilierten Green Datacenter AG, äusserte in seinen nachfolgenden Ausführungen grosse Bedenken zur von der Bundesverwaltungr ins Auge gefassten Einführung des E-Votings. Der IT­Fachmann wies auf die eine Gefahr für unsere Demokratie darstellende Manipulierbarkeit von digital eingeholten Abstimmungsergebnissen hin. Schon heute seien täglich unzählige professionell durchgeführte Hackerangriffe auf Firmen, Spitäler, Ämter, Institutionen und Private zu verzeichnen, die oftmals zu Datenverlusten mit erheblichen Umtrieben und Kosten führen. Aus entsprechenden sicherheitstechnischen Überlegungen sprach sich Grüter mit klaren Worten für eine Volksinitiative gegen das E-Voting aus. Seinen Worten zufolge haben diverse Länder dieses neue System wieder abgreschafft.

Hans-Jörg Knecht, Unternehmer und Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) Aargau widmete sein Referat der Energiestrategie 2050 und ihren Auswirkungen Er betonte, für unser Land seien Faktoren Versorgungssicherheit, weitgehende Unabhängigkeit von Stomimporten, Umweltverträglichkeit Bezahlbarkeit von zentraler Bedeutung. Knecht gilt als Gegner der Bundesrätlichen Bestrebungen und äusserte in diesem Zusammenhang seine Befürchtungen in Sachen ins Auge gefasster Einschränkungen der künftigen Energiepolitik.

Zum Abschluss des offizie Teils der Jubiläumsfeier gratulierte, SVP-Bezirksparteipräsidentin Tonja Kaufmann der SVP Lupfig zum erreichten Meilenstein, und deren Präsident Jörg Graf dankte nebst den Referenten auch seinen Vorstandskollegen und den rund 60 Mitgliedern der Ortspartei.

Claudia Santos-Wächter, Gemeinde­schreiberin in Hüttikon, rollte die Parteigeschichte noch einmal auf. Ihr Urgrossvater und damaliger Gemeinderat Jakob Müller war es, der vor 100 Jahren im Auftrag des Bezirksvorstandes eine Versammlung einberufen hatte. Der Grund dafür war ein dringlicher: Die Bauernschaft fühlte sich politisch nirgends vertreten. Im Gründungsprotokoll der «Bauernpartei Lupfig>> vom 28. Dezember 1918 steht, «dass die Bauernschaft durch die Verhältnisse des Weltkrieges und namentlich durch die stramme Organisation der hauptsächlichen Gegner der Bauernschaft, der Sozialdemokraten, gezwungen sei, sich zusammenzuschliessen.» 43 Bauern nahmen damals an der Gründungsversammlung im Schulhaus Lupfig teil. Die Partei änderte ihren Namen in den 100 Jahren insgesamt dreimal. Ab 1920 hiess,sie «Bauern-und Bürgerpartei», ab 1965 war es die «Bauern-Gewerbe-und Bürgerpartei», und an der Jubiläums-Generalversammlung 1978 war erstmals von der SVP die Rede. Der Fünfer-Vorstand war bis 1982 fest in Männerhand, dann wurde Ruth Köchli als erste Frau ins Gremium gewählt. Im Jahr 2000 übernahm Erika Caminada als erste Frau das Präsidium der SVP Lupfig. Heute zählt die Ortspartei 60 Mitglieder. Gemäss Präsident Jörg Graf habe sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Deshalb möchte die Partei mit einer neuen Strategie vermehrt Junge zum Mitmachen bewegen und Frauen in den Vorstand holen. Zum Jubiläum kommt sie mit einem neuen Internetauftritt, neuem Logo und dem Slogan «Mitrede statt mitlaufe» daher. «Wir wollen uns ein bisschen von der SVP Schweiz abgrenzen, wollen keine Polemik, sondern Sachpolitik betreiben.» Auftritte wie der zur Feier «750 Jahre Lupfig und Birr» (2020) sollen die Partei ihrem Ziel näher bringen. Potenzial für neue Mitglieder sieht Jörg Graf auch im Zusammenschluss mit Scherz.


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